Donnerstag, 24. Juni 2010
Es geht los...!!!
Freitag, 20. November 2009
Der Countdown hat begonnen...

Montag, 12. Oktober 2009
Die Saison ist vorbei - und das Tourtagebuch endlich fertig
Das war es nun, dieses „Le Mans“…
Als wir vor fast einem Jahr mit der Organisation unserer Fahrt zu dieser Kultveranstaltung begonnen haben, kannten wir eigentlich nur die Legenden, die sich um das 24 Stunden Rennen rankten. Seit diesem Sommer sind wir auch ein kleiner Teil des großen Ganzen.
Und groß ist das Ganze wahrlich… Insgesamt 531 Teilnehmerteams gingen an den Start. Das bedeutet Mannschaften zwischen einer und zehn Personen. Dazu jede Menge Betreuer, Begleitpersonen, Manager, Offizielle… Geschätzte 15.000 Personen tummelten sich also ständig um das Gelände des Circuit Bugatti.
Den ersten Eindruck vom Ausmaß der Größenverhältnisse bekam die Besatzung unseres ersten Busses bei der Ankunft am Zeltplatz, Freitag morgen, 7 Uhr. Nachdem wir mit den ersten Gehversuchen auf Französisch erst einmal herausgefunden haben, dass Michael Jackson verschieden ist, reihten wir unseren Transit an Position 8 in die Schlange der wartenden Gefährte ein. Zunächst kaum merklich verlängerte sich die Schlange im Laufe des Tages jedoch erheblich, so dass Bus 2 und 3 des Speedteam Rheinland International bei ihrer Ankunft eine Warteentfernung von etwa einem Kilometer hinter uns lagen.
Natürlich hatte Bus 1 es sich zur Aufgabe gemacht, für den Rest des Teams einen guten Platz zum Campen mit optimaler Entfernung zu Rennstrecke und Sanitärhäuschen zu ergattern. So stürmten wir also um 16 Uhr den Campingplatz und waren auch zunächst zufrieden mit unserer Platzwahl. Gut, es stellte sich zwar heraus, dass das nächste Sanitärhäuschen nur über die obligatorischen „Löcher im Boden“ verfügte und das neue Waschhaus etwa einen Kilometer weit entfernt war. Auch bis zur Boxengasse waren es noch etwa 1,5 km. Aber wir haben einen Platz ergattert, der für alle reichte. Und nach einer gefühlten Stunde stand dann auch das erste Zelt.
Soweit alles gut. Bis wir dann die Firma „Queschua“ kennenlernten… Nach etwa 1,5 Stunden stürmten etwa 30 Briten das Areal hinter uns, alle bemannt mit einem mehr oder weniger großen runden, flachen Paket. Reißverschluss auf – und Schwups! 30 Zelte ploppten auf, komplett fertig, nur noch schnell ein paar Erdnägel in den Boden und schon brutzelte das Abendbrot auf dem Grill und kühles Bier rann durch durstige britische Kehlen… Hier gibt es also für den Fall einer Wiederholung noch organisatorisches Verbesserungspotential…
Besonderen Anlass zum Neid auf die Inselbewohner hatte übrigens Jan, der nationalitätenmäßig ja eigentlich der professionellste Camper von uns sein sollte. Durch einen falschen Griff ins Kellerregal erwischte er statt eines Zelts eine Sonnenmuschel. Aber da das Wetter ja auf unserer Seite war, war das für eine Nacht kein Problem. Diesem Umstand war es dann zu verdanken, dass Jan als erster von uns stolzer Besitzer eines Wurfzelts wurde.
Nach einer weiteren relativ kurzen Nacht hieß es am Samstag morgen die offiziellen Termine wahrzunehmen. Eine lange Schlange an der Startnummernausgabe verhieß nichts Gutes und bald bestätigte sich, dass natürlich in unserer Wartereihe ein ahnungsloser (Deutscher?) etwa 45 Minuten alles blockierte. Danach ging es jedoch trotz akribisch kontrollierender Franzosen recht zügig weiter und mit unserer vorbildlichen Buchführung war es dann auch gar kein Problem, alle erforderlichen Unterlagen zu erhalten.
Um 11 stand der erste spannende Termin für fast alle an: die Parade des Rollers! Zum ersten Mal uniformiert gekleidet, mit Fahne bewaffnet und Rollen unter den Füßen machten wir uns also auf zur Rennstrecke. Und dann der spannende Augenblick: das Tor öffnet sich und wir stehen tatsächlich auf der Rennstrecke und blicken hoch zum Dunlop-Bogen! Dieser Moment erzeugte bei vielen von uns zum ersten Mal eine Gänsehaut der Ehrfurcht, der Spannung, der Aufregung…
Abschnittsweise wurden wir über den gesamten Kurs geführt. Da wir einen Platz relativ weit vorne hinter den Führungsfahrzeugen ergattert hatten, bot sich im Rückblick ein eindrucksvolles Bild tausender, teilweise bunt und wild kostümierter Skater, die sich über die Rennstrecke schlängelten. Den Kurs durften wir geführt zweimal befahren, wer wollte auch noch ein drittes Mal.
Erstaunlicherweise wurde der Anstieg zum Dunlop-Bogen bei diesen Proberunden einhellig als machbar eingestuft. Aber zur Bewertung dieser Einschätzung später mehr…
Es sei kurz erwähnt, dass wir bei dieser Generalprobe leider den ersten – dafür aber Gott sei dank einzigen – Sturz verbuchen mussten. Probleme mit der Achse und der Verlust einer Rolle brachten Georg dazu, die rasante Abfahrt vom Dunlop-Bogen nicht in voller Fahrt, sondern auf dem Hosenboden genießen zu können. Aber dank Dr. Peppi und seinem wunderbaren Arztkoffer konnten alle Materialprobleme bereits vor dem Rennen wieder ausgemerzt werden und auch sonst ist bei Georg alles heil geblieben.
Zurück auf dem Zeltplatz hieß es, sich an die Vorbereitungen zum Bezug der Boxen zu machen. Hier traten bereits zum wiederholten Male unsere Küchenfeen tatkräftig in Erscheinung. Wie schon beim Frühstück für diejenigen, die offizielle Termine ab 8 Uhr einhalten mussten, stand bei der Rückkehr von der Parade das Essen fertig zubereitet und der Handkarren gepackt zur Abfahrt bereit.
Fleißig wie die Heinzelmännchen reservierten unsere Helfer ab 13 Uhr für uns einen Platz in der Box und richteten uns häuslich ein. O. K., soweit das auf 8 m² für 10 Personen halt möglich ist… Dank des Wetters konnten wir uns aber noch einen zweiten Bereich etwa gleicher Größe vor der Boxengasse einrichten, so dass wir neben dem Lagerplatz für unser (vielleicht etwas überdimensioniertes Gepäck?) auch einen Platz für unsere athletischen Körper hatten…
Dort entdeckten wir dann auch, wer unsere direkten Boxnachbarn waren: es handelt sich um das (letztendlich zweitplatzierte) Bont-Team, fest dominiert von der renomierten Skaterfamilie Begg aus Neuseeland. Mit eigenem Rennrad auf Rollen und sehr bequemen Sitzmöbeln ausgestattet war es interessant zu beobachten, wie die Weltspitze des Speedskatens ein solches Rennen und den Kampf ums Preisgeld angeht.
Auch wenn wir Fahrer währenddessen ganz in Ruhe die fertige Box beziehen konnten, stand schon bald der nächste Termin an. Um 14 Uhr war es Zeit für Eriks Qualifying. Zeitig positionierten sich alle Teammitglieder entlang der Strecke und auf den Tribünen und beobachteten gespannt, wie sich nach und nach 531 Fahrer am Anfang der Zielgerade einfanden.
Vor der Startlinie fanden sich lose Gruppen zusammen, die dann mit geringem Abstand hintereinander weg auf die 300 m Sprintstrecke geschickt wurden. Eine dieser Gruppen stach durch deutlich höheres Tempo aus den anderen Gruppen heraus. Es war klar: hier hatten sich die Profis zusammengetan. Aber nicht nur die… nein, unser Erik war auch dabei! Aus seiner Erfahrung in der Speedskatingszene heraus waren ihm die Gesichter der Profifahrer bekannt und er schloss sich dieser Startgruppe an. Bedingt durch das höhere Niveau der Geschwindigkeit in dieser Gruppe konnte Erik für das Speedteam Rheinland International einen grandiosen 15. Startplatz herausfahren!
Und jetzt blieben noch drei Termine übrig: 15 Uhr ein Briefing, 15:30 Uhr Positionierung der Skates aller Startläufer auf der Start-/Zielgeraden und einfinden der Startläufer in der Wechselzone, 16 Uhr: Start.
Wie sich herausstellte, war das Briefing eigentlich nur die Anzeige der Startpositionen auf der großen Anzeigetafel. Ergänzend dazu wurden noch einmal die wichtigsten Teilnahmeregeln in verschiedenen Sprachen angezeigt. So haben wir halt unser eigenes Briefing abgehalten. Zu diesem Zeitpunkt waren langsam alle gespannt wie die Flitzebogen. Franz notierte akribisch die besprochenen Details und alle anderen hörten aufmerksam zu. Alle??? Nein, nicht ganz... Gefühlt um etwa 15:30 Uhr fällt unserem zu diesem Zeitpunkt wichtigsten Mann in der Runde – Startläufer Erik – auf, dass die Schnalle am Schuh kaputt ist. Schlecht, wenn man zwei Runden ohne Schnürsenkel laufen will... Und selbst Dr. Peppi hatte dafür keine Lösung in seinem Arztkoffer. Also noch mal „schnell“ zurück zum Zeltplatz und Ersatz besorgen. Aber auch diese Situation haben wir irgendwie gemeistert und pünktlich um kurz vor vier stand Erik samt seiner Schuhe auf der Rennstrecke.
Alle anderen haben sich Positionen mit möglichst gutem Ausblick ergattert, von denen man das Startprozedere beobachten konnte. Für mich folgten dann eigentlich mit die bewegendsten Augenblicke der ganzen Fahrt: die Musik ging an, die Flaggen der Nationen wurden hereingefahren, der offizielle Teil des Rennens begann. In diesem Moment zieht das halbe Jahr der Planung an einem vorbei, man sieht rundum nur begeisterte Gesichter des Teams und man fängt langsam an zu realisieren: JETZT geht es so richtig los!
Nachdem Erik seine zwei Pflichtrunden gut hinter sich gebracht hat, ging es auch für uns andere los. Zunächst noch ein wenig unkoordiniert begannen wir mit der Tagestaktik, dem Wechsel nach jeder Runde. Es dauerte etwas, bis jeder raus hatte, wer auf wen wechselt, wann man sich in die Wechselzone begeben muss je nachdem welcher Fahrer gerade reinkommt und vor allem: die Übergabe des Transponders nicht zu vergessen! Aber in 24 Stunden hat man ja genug Zeit, sich an all diese Dinge zu gewöhnen. Und es sei angemerkt: trotz zahlreicher anderslautender Unkenrufe haben wir nicht eine Runde umsonst gefahren, es war immer ein Transponder am Mann/an der Frau!
In der ersten Euphorie ging es dann auch eigentlich recht schnell bis es schon Zeit wurde, dass Team 2 sich zur Nachtruhe verabschiedete. Team 1 begann also mit 5 Fahrern die erste Nachtschicht. Das hatte zur Folge, dass die Pausen kürzer wurden, die Regenerationszeit damit natürlich auch und die Müdigkeit langsam hinzu kam. Die Ablösung war so gegen vier Uhr in der Früh angesetzt und in den letzten Runden, die jeder zu fahren hatte war doch die ein oder andere Quälerei dabei als man sich wieder und wieder am Fuße des Anstiegs zum Dunlop-Bogen wiederfand...
Trotz der unaufhaltsam heranschleichenden Müdigkeit sind auch an diesem Punkt wieder unsere Betreuer zu erwähnen. Unbeirrbar zählen Peppi und Theo die Runden und achten mit darauf, uns pünktlich in die Wechselzone zu schicken. Und auch zu noch so unchristlicher Zeit packt Peppi seinen perfekt ausgestatteten „Arztkoffer“ aus und macht das Equipment wieder fit.
Für Team 1 ein kleines Highlight, das irgendwann gegen Mitternacht eine nette Abwechslung in die Nachtschicht brachte, war ein imposantes Feuerwerk über dem Cirquit Bugatti. Aber trotz der netten Überraschung haben wir an die Fahrer von Team 2 gedacht, die zu diesem Zeitpunkt schließlich um kostbare Minuten Schlaf rangen.
Pünktlich wie die Maurer erschien Team 2 jedoch zur Ablösung und nachdem eine wertvolle halbe Stunde Schlafzeit beim Schlangestehen an der Dusche draufgegangen ist hieß es nur noch ein letztes Mal schnell sein – diesmal auf die Isomatte im Zelt.
Nach etwa 4 Stunden (gefühlt: Minuten) Schlaf heißt es dann wieder auf in die letzte Runde. Noch etwa 8 Stunden gilt es zu absolvieren. Vorher treten aber wieder unsere fleißigen Helfer-Engelchen in Aktion. Kaum aus dem Zelt gekrabbelt, dampft schon frisch gebrühter Kaffee in die Nase und das Frühstück steht bereit. Als wir uns jedoch wieder in der Box einfinden – sehnlichst erwartet von Team 2 – vollbringen unsere Betreuerinnen eine weitere wahre Glanzleistung: jeder, der steif und übermüdet auf die Strecke muss, bekommt vorher eine vitalisierende Beinmuskelmassage.
Wieder in einem Team vereint brachten wir auch die letzten verbleibenden Stunden gut hinter uns. Nachdem der fliegende Wechsel nach 23 Stunden in Fleisch und Blut übergegangen ist, wurde es aber Sonntag, 15 Uhr und etwa 40 Minuten noch einmal so richtig spannend: der letzte Wechsel stand bevor! Wie vorher festgelegt, wurde mir die Ehre zuteil, die letzten Runden fahren zu dürfen. Für kurze Zeit war es sogar fraglich, ob ich diese ehrenvolle Aufgabe erfüllen kann, aber dank des unerschütterlichen Teamgeistes haben wir das kleine Schwächetief von Sonntag Nachmittag bis kurz vor 16 Uhr wieder in den Griff bekommen.
Und so stand ich also um 16:40 Uhr nervös als ob es die erste Runde wäre in der Wechselzone. Pünktlich erschien der vorletzte Fahrer, in diesem Fall war die Reihe bei Erik stehen geblieben, und schickte mich die letzten zwei Male auf den Anstieg zum Dunlop-Bogen. Von der zeitlichen Berechnung war klar, dass es zwei Runden werden würden, wenn alles glatt geht. Bereits in der ersten Runde machte ich viele unserer Speedies aus, die sich entlang der Strecke verteilt hatten und für unser Team jubelten.
Dann die letzte Kurve und bevor es erneut auf die Start-/Zielgerade geht ein Abstecher zum Trainer, der, wie verabredet, mit der Teamfahne an der Ecke steht. Zu diesem Zeitpunkt ist es etwa 15:52 Uhr und schon mächtig was los auf den Tribünen – ein beeindruckender Anblick. Als ich dann von meinem zu Tränen gerührten Trainer die große Teamfahne in Empfang nehmen durfte war das der Beginn einer puren Gänsehaut-Runde.
Bei der letzten Auffahrt zum Dunlop-Bogen merkte man deutlich, dass es jetzt entspannter zuging, als bei allen vorangegangenen Runden. Sogar bei Bont und RPM, die zum letzten Mal vorbeirauschten, hörte man die ein oder andere Unterhaltung. Oben am Dunlop-Bogen stand Peppi und viele aus den anderen Teams – mittlerweile sogar als Spalier auf der Strecke – beinahe kam Alp d’huez-Feeling auf. Unter dem Bogen durch und dann abwärts... und wie schön: alle reißen die Arme in die Höhe und beginnen zu jubeln, denn jeder, der sich zu diesem Zeitpunkt dort befindet weiß: nach dieser Runde ist es geschafft. Und dann hieß es nur noch eintauchen in die kochende Arena, Blitzlichtgewitter überall und ich glaube, in diesem Moment hat sich einfach jeder einzelne dort als großer Held gefeiert gefühlt – zumindest mir ging es so.
Im Ziel wartete natürlich das gesamte Team und hier begann nach 24 Stunden Anspannung, Konzentration, Anstrengung... ein wunderbar entspannter, lauer Sommerabend, an dem unser erfolgreiches Debut beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans gebührend gefeiert wurde. Und erfolgreich waren wir wirklich: Platz 52 von 531 teilnehmenden Teams – das hätte im Vorfeld wohl niemand erwartet.
Auf dem Weg zurück zum Zeltplatz wurde noch ein kleiner Boxenstopp in Sachen zwischenmenschlicher Annäherung eingelegt: nach unserer Regieanweisung führten unsere Betreuerin Erika aus Belgien und ihr flotter Belgier Tom (den sie sich bereits am Freitag Morgen, etwa 5 Minuten nach unserer Ankunft in Le Mans ausgeguckt hatte) einen kleinen Trikottausch durch. Es sei vorweg genommen, dass wir das Trikot des Speedteam Rheinland International in der Zwischenzeit schon das ein oder andere Mal wiedergesehen haben...
Zurück am Zeltplatz packte Bernd dann endlich seine seit Tagen verheißungsvoll angedeutete Überraschung aus: er hatte für alle Teammitglieder und Betreuer Pokale mitgebracht! So war also auch der richtige Rahmen geschaffen, um unsere vollbrachte Leistung angemessen zu feiern. Jeder von uns bekam einen Pokal mit einigen persönlichen Worten überreicht. Eine tolle Geste, vor allem, wenn man bedenkt, dass viele von uns sich bis vor ein paar Monaten untereinander gar nicht kannten.
An diesem Abend gab es aber auch noch ein anderes Highligt – nach so viel Anstrengung machte sich irgendwann der Hunger breit und wir beschlossen, eine Pizza zu bestellen. Eine Telefonnummer hatten wir schon von einer großen Gruppe Schweizer bekommen, die nicht weit weg von uns campierten. Wir hatten auch gesehen, dass es rein theoretisch funktioniert, denn die Schweizer hatten bereits am ersten Abend einen Riesen-Stapel Pizzen anliefern lassen. Wir versuchten also unser Glück. Mit den Telefonverbindungen in Frankreich scheint das jedoch so eine Sache zu sein und rudimentäre Kenntnisse der Landessprache sind dabei nicht wirklich hilfreich… Wir holten daher Rat bei unseren Campingnachbarn ein. Hocherfreut nahm ein sehr engagierter Halb-Italiener-Halb-Franzose mit Halb-Deutscher Ehefrau unseres Anliegens an. Eine Telefonkarte und ein paar Telefonate später verkündete er stolz, dass die Bestellung nun aufgegeben sei. Es wusste zwar niemand mehr, bei welcher Pizzeria (denn die von den Schweizern empfohlene hatte Ruhetag), wir hofften jedoch alle, dass es noch einmal ein Pizzataxi auf das Campinggelände schaffen würde. Und tatsächlich, nach etwa 1,5 Stunden kam tatsächlich ein Stapel Pizzen für uns angefahren! Der Abend war gerettet.
Während die meisten den Abend möglichst Ruhig und ohne überflüssige Bewegungen in den Klappstühlen verbrachten, sorgfältig darauf bedacht, immer ein kühles Bier in der Nähe zu haben, machten uns Trixi, Andrew und Franz deutlich, dass die 24 Stunden für sie wohl noch keine volle Auslastung gebracht hat. Der Veranstalter bescherte uns eine Bühne, auf der sich ein DJ an undefinierbarer Reggae-Musik verausgabte. Unbeirrt von allen Strapazen legten die drei eine kesse Sohle auf den Rasen, die optisch durchaus etwas zu bieten hatte.
Am nächsten Morgen hieß es dann auch für uns langsam Abschied vom Nomadenleben zu nehmen. Der Campingplatz hatte sich schon deutlich geleert, übrig geblieben waren die, mit der etwas längeren Anreise. Weil wir zwar als Le Mans-Greenhorns, jedoch mit großen Ambitionen angereist waren, dauerte es auch entsprechend lange, unser ganzes Übergepäck zusammen zu packen. Alle paar Minuten fuhren Abreisende aus allen Nationen an uns vorbei, laut hupend und winkend, und wir packten immer noch. Als wir vermeintlich endlich abfahrbereit waren, gab es noch eine Überraschung zum Abschluss. Der Hightech-Bus mit der tollen Klimaanlage verbrauchte offensichtlich so viel Strom, dass es für den Anlasser nicht mehr reichte. Starthilfe wäre mit Starthilfekabel auch kein Problem gewesen – nur ohne. Auf einem sehr leer gefegten Campingplatz schafften wir es dann, die örtliche Müllabfuhr dazu zu bewegen, uns ein Starthilfekabel zu besorgen. Und warum auch immer, genauso wie die Pizzen kam auch das Kabel nach etwa einer halben Stunde an. Wir ließen uns das unsere letzen Biervorräte kosten, die von den Jungs noch an Ort und Stelle vor unseren ungläubigen Augen vernichtet wurden, und dann ging es los Richtung Heimat.
Nein, nicht ganz. Bevor Andrew und Ines eine weitere Begabung, nämlich begnadete Musikalität und Rhythmus im Blut, auf der langen Fahrt voll ausleben konnten, war ein Besuch im Décathlon nach den gesammelten Campingerfahrungen unumgänglich. Hier zeigte sich, dass in einigen unserer Teammitglieder weitere versteckte Talente schlummerten. In der Disziplin Extreme-Shopping wurde große Ausdauer an den Tag gelegt und reichlich Ausbeute für die letzen freien Ritzen der Transportbusse gesammelt. Sogar Teambekleidung für Le Mans 2010 wurde gekauft!
Es war zwar eigentlich allen klar, dass diese Veranstaltung absoluten Suchtcharakter hat und wir alle im nächsten Jahr wieder dabei sein wollen. Aber jetzt haben wir sogar noch einen Grund.
Also… Au revoir Le Mans!
Samstag, 8. August 2009
Daniela und Nina
Daniela Boes und Nina Schmidt, die zwei befreundeten Mädels aus unserem Betreuerteam, gehören auch zu den Teammitgliedern, die ich erst während der Planungen für unsere Fahrt kennengelernt habe. Sie sind Teamkolleginnen von Franz und Jan und sprühten schon beim ersten Treffen mit dem Team vor Ideen, wie sie uns das 24 Stunden Rennen mit ihrer Betreuung so angenehm wie möglich machen könnten. Ich nehme an dieser Stelle vorweg, dass diese Aufgabenstellung zu 100 % erfüllt wurde!
Richtig kennengelernt habe ich Daniela und Nina bei einem Training auf der Hausstrecke des Speedteam Bedburg. Im perfekten Einklang kamen die Beiden angeskatet und vermittelten den Eindruck, als hätten sie nie etwas anderes getan. Wie sie aber dann verraten haben, sind sie erst vor einem Jahr zum Skaten gekommen und auch, dass es mit der Harmonie nicht immer so in Perfektion klappt, sobald andere Skater ins Spiel kommen... Aber das macht gar nichts, denn eins kommt bei Daniela und Nina auf jeden Fall rüber: sie haben in ihrem ersten Jahr eine große Begeisterung für das Skaten aufgebaut und bringen eine Riesenportion Ehrgeiz mit, weil sie sich unbedingt weiter entwickeln wollen. Und man mag es kaum glauben – auch mit noch relativ jungfräulicher Wettkampferfahrung schwört man schon auf ganz bestimmte Marathonrituale. Wenn das mal nicht auf eine große Karriere hoffen lässt!
Natürlich machen auch Daniela und Nina noch etwas anderes als Skaten. Aber wie bereits bei anderen Teammitgliedern festzustellen war, geht es auch im Leben der beiden recht sportlich zu. Da wird geritten, geschwommen, gelaufen... Aber es gibt auch Hobbies, die nicht direkt etwas mit Sport zu tun haben: Essen und Shopping. Ersteres weist zwar eine der anderen gegenseitig zu aber spätestens bei letzterem sind sie sich dann wieder einig. Und das haben sie auch unter Beweis gestellt: ein Besuch im Décathlon in Le Mans förderte sowohl eine große Ausdauer als auch eine reichliche Ausbeute in dieser Disziplin zutage.
Und schließlich sollen auch noch die Talente erwähnt werden, die ebenfalls beide in sich vereinen und von denen erst erzählt werden kann, weil das Team sie während des Le Mans-Trips eigentlich kennen- und schätzen gelernt hat.Daniela und Nina haben in Frankreich unermüdlich Organisatorisches Geschick, Hilfsbereitschaft, Massagekünste und tausend andere goldwerte Dinge an den Tag gelegt ohne die unser gemeinsames Abenteuer nicht so reibungslos hätte ablaufen können.
Fortsetzung folgt
Nun sind wir schon seit einiger Zeit wieder aus Le Mans zurück und die Urlaubszeit ist angebrochen– aber immer noch ist die Begeisterung über das Erlebte bei keinem der Le Mans-Fahrer abgeflaut. Nein, es werden immer noch an allen Ecken und Enden die kleinen und Großen Anekdoten ausgetauscht und auch schon Pläne für das nächste Mal geschmiedet...
Mittwoch, 24. Juni 2009
Jan
Mit Jan de Boer hatten wir bei unserem Le Mans- Projekt zunächst gar nicht mehr gerechnet. Denn auf die erste Nachfrage von Detlef hin erteilte er uns zunächst eine Absage. Als sich das Team dann langsam formierte und Franz, sein Kollege vom Skate Team TV Bedburg, anfing, so richtig bei uns durchzustarten, konnte aber auch Jan dem Ruf von Le Mans nicht mehr wiederstehen...
Beim TV Bedburg ist Jan als Trainer mit C-Lizenz tätig und sorgt damit fleissig für Skaternachwuchs – denn unsere beiden Betreuerinnen Nina und Daniela (von denen hier später noch mehr zu lesen sein wird) stammen auch aus seinem Rennstall.
Von seinen Schützlingen liebevoll „Glöckchen“ genannt, macht er beim Training mit klingelnder Schnalle auf sich aufmerksam. Darf man Beschreibungen über Jan glauben, muss er das auch - denn angeblich hat auch er eine Eigenart, die ihn mit dem ein oder anderen aus unserem Team verbindet: Jan ist ein Aktivitätsjunkie, immer auf Tour, fast nie zu Hause und nebenbei macht er an sieben Tagen in der Woche Sport. Dabei reicht eine Sportart natürlich nicht aus. Angefangen vom Skaten reicht die Spanne über Laufen, Volleyball, Fahrradfahren bis hin zum Schwimmen.
Verwunderlich ist, dass ihm bei diesem Freizeitprogramm auch noch ein grüner Daumen nachgesagt wird. Aber vielleicht liegt das ja an seinem Namen, der eher die Zuordnung zur Landwirtschaft vermuten ließe. Das mit der Landwirtschaft, also dem Bauern, stimmt zwar nicht, aber Schlüsse kann man aus dem Namen trotzdem noch ziehen. Welche? Richtig, Jan ist natürlich ein Holländer. Und das kann uns in Le Mans wahrscheinlich nur hilfreich sein, denn er kann uns bestimmt sagen, wie wir das mit dem Camping richtig machen...
Dienstag, 16. Juni 2009
Ines
Ines Michel ist wahrscheinlich die einzige in unseren Reihen, die wirklich weiß, was wir da tun... Sie hat das, was wir alle mehr oder weniger als Hobby betreiben – also den Sport – nämlich studiert.
Dabei ist Speedskating gar nicht mal ihr Hauptfach. Nach erfolgreich abgeschlossenem Studium arbeitet sie mittlerweile als Landestrainerin beim Norddeutschen Schützenbund. Und auch sonst würde man nicht unbedingt eine Speedskaterin vermuten, wenn man Ines so sieht:
Sie ist eigentlich viel zu klein und viel zu schmal als dass sie irgendjemandem der hinter ihr fährt auch nur einen Hauch von Windschatten bieten könnte. Und dann die Füße... In dieser Größe (35!) ist die Anschaffung von Speedskates und den dazu passenden Schienen reines Glücksspiel. Aber Ines scheint wohl Glück im Spiel zu haben...
...und bei der Wahl ihrer Sportarten. Denn wenn man sie dann einmal skaten sieht, kommt kein Zweifel mehr auf, dass Skaten die richtige Sportart für Ines ist. Sie besticht durch eine lupenreine Technik, die dem nachfolgenden Skater - oder der nachfolgenden Skaterin - erstaunlich viel Windschatten bietet.
Hinzu kommt Ines unbändige Neugierde, mit der sie ihre Technik weiter ausfeilt: sie macht so ziemlich alles nach, was ihr bei anderen Sportlern irgendwie brauchbar erscheint. So durften wir uns am Wochenende schon von ihrer Version der „Rasenrandbremse“ überzeugen.
Und auch sonst probiert sie einfach mal alles querbeet aus, was im entferntesten nach Sport riecht. Hat sie sich zwar letztendlich doch nicht alleine mit dem Rad ans Nordkap getraut, kann sich der dafür eingetretene Plan B jedoch auch sehen lassen. Sie strampelte statt dessen einfach ein paar Tausend Kilometer innerhalb von Deutschland zusammen...
Leider bereichert sie ja derzeit den Norden der Republik mit ihrem sportlichen Know how, aber aus gesicherten Quellen weiß man, dass ihr Herz immer noch im Rheinland schlägt und ihr die Ideen für neue, große Pläne noch lange nicht ausgehen...